“Il dolce far niente” oder “Das süße Nichtstun”

In der vergangenen Woche habe ich seit langem mal wieder den Film „Eat Pray Love“ mit Julia Roberts gesehen, in dem sie auf die Suche nach sich selbst, Gott und der Liebe geht. In Italien entdeckt sie „Il dolce far niente“ („Das süße Nichtstun“) der Italiener. Eine Lebensart die auf den Genuss des täglichen Lebens baut. Das mit dem süßen Nichtstun ist bei mir allerdings so eine Sache… Ich bin ja seit ein paar Tagen gedanklich unterwegs in Sachen schlechtes Gewissen und Schuldgefühle. Naja – und Schuldgefühle in Folge von Nichtstun ist ein ziemlich festgefahrenes, automatisiertes Programm das da abläuft.

Nichts tun und mal ins Leere starren – Zack: schlechtes Gewissen, ich könnte ja jetzt gerade 1.000 Dinge erledigen.
Verabredung absagen um lieber im Schlafi vorm Fernseher zu hocken – Zack: schlechtes Gewissen, ich bin ja so was von unzuverlässig.
Wenn ich mir was Süßes gönne – Zack: schlechtes Gewissen, ich hab doch schon genug auf den Hüften und nun das noch….

Und so geht es den ganzen, lieben, langen Tag…

Ich scheine aber nicht die einzige zu sein der es so geht, denn bei meinen Recherchen habe ich festgestellt, dass es allein zum Thema Schuldgefühle Regale voll entsprechender Literatur gibt. Und wenn man weiß, dass da draußen noch viele andere sind denen es so geht, dann geht es einem doch gleich schon viel besser 😉

„Beim Nichtsmachen bleibt nichts ungemacht“, heißt es bereits in der altchinesischen Spruchsammlung Tao Te King. Und laut „Zeitforscher“ Karlheinz A. Geißler sind Pausen „Leuchttürme des Daseins, die den Aktiven den Weg weisen und sie bewahren, an den Untiefen ihres Tuns zu scheitern“.

Um das Nichtstun heute ein wenig zu üben, habe ich einen ausgiebigen Waldspaziergang gemacht. Es war schön den Wind und die Kälte zu spüren. Bei einer Tasse Tee habe ich den Nachmittag mit Nichtstun und Teetrinken im Kreativbereich verbracht. Und es war interessant, dass Nichtstun tatsächlich inspirierend sein kann. Insgesamt erscheint es mir lohnenswert in „Il dolce far niente“ ein wenig mehr Zeit zu investieren und den angekoppelten Gefühlswelten, die sich da auftun.

Zum Tagesausklang heute: Kerze anzünden (leider sind hier nur LED-Kerzen erlaubt, aber immerhin…), Handy aus, heißen Kakao trinken und zurücklehnen.

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