Hier und Jetzt

„Take my prayers, take them out to sea.

May the waters of all worlds ye meet.

Here given to you and here released.

Here given as it was given me.“

Ayla Nereo

 

Die Weihnachtstage neigen sich dem Ende zu und – ich lebe noch 😉
Ich bin heute Morgen aufgestanden und habe einen kleinen Spaziergang gemacht. Die Luft war so klar, die Ruhe so erleichternd und … Vogelgezwitscher. Wie komisch, wenn man bedenkt, dass Winter ist.

Ich habe in den vergangenen Tagen bewusst auf meine Gefühle geachtet und festgestellt, dass die Gesellen Unruhe und Verlangen ganz schön schwergewichtig sind. Diese erhöhte Form von Aufmerksamkeit nennt man auch „Achtsamkeit“. Der Begriff steht auf der Liste der aktuellen Hypes bestimmt ziemlich weit oben. Wieder so eine Kuh, die durchs Dorf getrieben wird. Ich denke, dass es wichtig ist, alles was da so neu kommt erst einmal kritisch zu beäugen. Beim Thema Achtsamkeit bin ich mir ziemlich sicher, dass das keine neue Idee ist. Dennoch hilft mir das bewusste Wahrnehmen meiner Gedanken und meiner Gefühle, mich selbst kennenzulernen und immer wieder aus dem Rad auszusteigen, dass da so automatisiert läuft. Vor allen Dingen bewahrt es mich davor mich selbst zu bewerten, denn ich nehme mich wahr ohne mein Denken oder meine Gefühle zu be- oder schlimmer noch zu verurteilen. Meistens mache ich mir auch ein paar Notizen oder versuche wie jetzt – meinen Kopf durch Schreiben zu leeren. Und dabei bin ich immer im Hier und Jetzt. Ich denke nicht über Vergangenes oder Zukünftiges nach. Ich lebe in diesen Momenten nur in der Gegenwart und sehe was ist.

In „Buddhas Anleitung zum Glücklichsein“ werden die Grundlagen der Achtsamkeit aus der buddhistischen Lehre beschrieben. Es gibt „vier Bereiche, in denen der Mensch seine Achtsamkeit schulen kann: die Körperwahrnehmung, die Gefühle, Denken und Gedankeninhalte.“
Mein Sohn fragt mich oft warum Menschen irgendwann sterben. Und meine Erklärung für ihn ist, dass unser Körper das Haus ist, in dem Geist und Seele wohnen. Nur wenn wir uns um unseren Körper kümmern, ihn wahrnehmen, reinigen, auf ihn acht geben, möchten unser Geist und unsere Seele auch lange darin wohnen. Natürlich gibt es auch Krankheiten etc. deren Entstehung wir vielleicht nicht beeinflussen und verstehen können, aber für ihn ist meine Erklärung erstmal zufriedenstellend. Auf jeden Fall beeinflusst die Art und Weise wie wir uns in unserem Körper fühlen unser Zuhausesein in der Welt. Und der Körper lebt immer im Hier und Jetzt!
Das Thema Gefühle ist für mich schwerer greifbar als meinen Körper zu spüren. Oft fehlt mir der Zugang dazu, was auch mit der Schizotypie zu tun hat. Das heißt nicht dass da keine sind. Aber es ist ein Knäuel an Gefühlen das ich selten bis gar nicht entwirren kann. Zu spüren welches der „fünf Hindernisse“ mich gerade plagt, war deshalb auch nicht so einfach für mich. Da ich mir ohnehin Notizen mache, habe ich den Vorschlag aus dem Buch übernommen, meine Gefühle nach einem festen Schema anzuschauen und aufzuschreiben. Das Schema[1] funktioniert wie folgt:

  • Woran erkennen Sie Ihr Gefühl? Wie stark empfinden Sie es, wo würden Sie es einordnen auf einer Skala von 1 (schwach) bis 10 (stark)?
  • Ist Ihr Gefühl diffus, verschwommen oder klar, eindeutig?
  • Haben Sie einen Namen dafür?
  • Wo spüren Sie das Gefühl im Körper? Benennen Sie mehrere Körperempfindungen, die zu diesem Gefühl gehören.
  • Fühlen Sie im Körper eine Quelle, aus der dieses Gefühl entspringt?
  • Möchte sich das Gefühl in eine bestimmte Richtung bewegen?
  • Können Sie das Fließen des Gefühls ungehindert zulassen?

Gefühle und Gedanken sowie deren Inhalte sind ja irgendwie fest miteinander verwoben. Und gerade für mich, die unter Angst und Depressionen leidet, ist Grübeln furchterregend. Manchmal läuft das Kopfkino ununterbrochen und ich bekomme das Gefühl, regelrecht irre zu werden. In der Therapie bekomme ich immer wieder zu hören, dass nicht die Therapie bzw. der Therapeut der Heilbringende ist. Heilen kann ich mich nur selbst – indem ich meine Gedanken immer wieder ins Hier und Jetzt zurück hole und meine Gedanken wohlwollend betrachte ohne sie zu be- oder verurteilen. Der Inhalt der Gedanken ist dabei sehr stark geprägt von Glaubensvorstellungen, Vorurteilen und Meinungen, die ich im Laufe meines Lebens gesammelt habe. Das heißt nicht, dass sich darunter nicht auch nützliche Inhalte befinden. Aber es gibt auch Inhalte die sehr stark kontraproduktiv sind. Und die gilt es herauszufinden.

Es gibt ein paar Übungen zu den Themen Unruhe und Verlangen in dem Buch, das ich bereits mehrmals erwähnt habe. Und die werde ich mir mal genauer anschauen.

Die Sonne scheint und ich sollte dringend noch ein paar Strahlen auftanken. Die Wetterprognose für die nächsten Tage verspricht nichts Gutes.

[1] Entnommen der Übung „Ein Gefühl achtsam erleben“ aus: Mannschatz, Marie: „Buddhas Anleitung zum Glücklichsein – Fünf Weisheiten die Ihren Alltag verändern“, Gräfe und Unzer Verlag, 2016, S. 28

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