Entspannung ohne Schuld?

Ich habe ein richtig schönes Wochenende zu Hause genossen. Es ist schön manchmal einfach wieder in den Flow zu kommen – das macht Hoffnung, dass ich es vielleicht doch schaffen kann einen Ausgang aus der Depressionsspirale zu finden. Besonders schön ist es überhaupt mal wieder etwas zu Fühlen. Zu Fühlen dass ich meinen Mann und meine Kinder liebe, so richtig und in echt, das war ein Moment den ich als Meilenstein meines nun schon sehr lange andauernden Weges bezeichnen würde. Es gibt sie noch, die Freude und das Glück. Ziemlich cool wenn man bis dahin mehr tot als lebendig war.

Diese Woche wurde ich von einer Mitpatientin darauf aufmerksam gemacht, dass ich permanent nur am „arbeiten“ sei und überhaupt nicht abschalte. Ich konnte dem natürlich erstmal nicht beipflichten. Diese Aussage hat mich aber dazu gebracht, mich tatsächlich einmal genauer zu beobachten. Ich habe meine Zeit in der Klinik bislang damit zugebracht am Therapieprogramm teilzunehmen und die dazwischen liegende Zeit in der Ergotherapie mit kreativen Dingen zu nutzen wie töpfern und malen. Trotzdem dass ich der Meinung bin diese Kreativzeit ganz in Ruhe und Entspannung genutzt zu haben, saß ich am vergangenen Freitagmittag mit sage und schreibe drei Bildern, drei getöpferten Schalen, einer Figur, einem Adventslicht und weiteren kleineren Dingen im Therapieraum. Wissend dass sich noch weitere fertig gestellte „Produkte“ im Brennofen befinden. An dieser Stelle muss ich sagen, dass wir zwar jeden Tag Zugang zum Kreativbereich haben, dieser aber zweitrangig in Bezug auf die anderen Therapieprogramme ist. Ich schätze ich habe also pro Einheit im Kreativbereich durchschnittlich drei bis vier Dinge „produziert“. Dazu kommt dann noch die Bearbeitung meiner Fachliteratur. Ich bin mit einem ganz Koffer voller Bücher angereist und dem Ziel, diese Bücher auch entsprechend durchzuarbeiten. Schließlich will ich ja weiterkommen auf meiner Reise der Selbsterkenntnis.

Ok… Nachdem ich mir diese Punkte nun vergegenwärtigt habe, fällt auch mir auf – das hört sich alles andere als nach Entspannung an. Gleichzeitig bewegt mich die Frage nach dem Grund. Was bewegt mich dazu bei der kleinsten Möglichkeit in das Hamsterrad zu springen und munter drauf los zu strampeln? Und auch da wurde mir etwas klar. Im Grunde habe ich permanent ein schlechtes Gewissen und fühle mich schuldig für alles was ich nicht tue. Ich kann nicht nichts tun. Womit hätte ich denn verdient nichts zu tun? Zeit muss doch sinnvoll genutzt werden. Und Auszeiten gibt es nicht ohne vorher Leistung erbracht zu haben.

Darüber werde ich mir wohl noch ein paar Gedanken machen. Aber nicht mehr heute… Den Rest des 2. Advents werde ich versuchen mit Nichtstun zu verbringen…

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