Achte gut auf diesen Tag

Neues Jahr, neues Glück? Eigentlich ist es doch total egal ob ein neues Jahr beginnt, denn „jeder Tag, neues Glück – jeder Tag, neue Chance“. Überall lese ich von Online Coachings und Webinaren zu den Themen Lebensziele, Jahresziele, Bucket lists, To-Do-Listen etc. Im Allgemeinen war und bin ich ja auch ein Fan von Listen. Die helfen mir einfach nicht immer alles im Kopf haben zu müssen, sondern diesen einmal zu leeren, in dem ich mir alles aufschreibe und es dann Schritt für Schritt abarbeite. Was meine Lebens- und damit verbunden auch Jahresziele angeht, tappte ich bis vor kurzem eigentlich nur im Nebel. Ich notiere mir keine expliziten Jahresziele. Klar habe ich eine Idee davon wie mein Leben mal irgendwann sein soll. Aber für mich war es ein Riesenschritt erstmal alles einfach nur loszulassen. Vor wenigen Monaten noch war ich gefangen in meinen festgefahrenen Vorstellungen wie etwas sein muss, habe Dinge erzwungen und dabei nie inne gehalten um zu spüren, ob mein tiefstes Ich da mitgehen kann oder nicht. Ich habe oft Dinge getan gegen die mein Körper rebelliert hat und bin es einfach übergangen. Die Kontrolle abzugeben und erst einmal nur zu Sein, war schmerzhaft und befreiend zugleich. Ich habe gelernt Tag für Tag neu zu beginnen. Einen wichtigen Anteil daran hat für mich ein Sinnspruch aus dem Sanskrit, den ich mir immer wieder her hole um ganz bei mir und im Jetzt zu sein.

Achte gut auf diesen Tag.
Denn er ist das Leben –
Das Leben allen Lebens.
In seinem kurzen Ablauf
liegt alle Wirklichkeit und
Wahrheit des Daseins.
Die Wonne des Wachsens,
die Größe der Tat,
die Herrlichkeit der Kraft –
Das Gestern ist nichts
als ein Traum
und das Morgen nur eine Vision.
Das Heute jedoch – recht gelebt –
macht jedes Gestern zu
einem Traum voller Glück
und jedes Morgen zu einer Vision
voller Hoffnung.

Drum achte gut auf diesen Tag!

Diese Botschaft zu verstehen und zu leben, war mein erstes Ziel. Ich bin seit nun mehr als einem Jahr nicht in der Lage zu arbeiten und meinen Alltag zu bewältigen. In Wirklichkeit ist das schon länger der Fall, aber seit dem eben auch schwarz auf weiß. Es fühlt sich tatsächlich so an, sich jeden Tag in mini kleinen Schritten vorwärts zu bewegen. Manchmal bleibe ich auch stehen oder muss noch einmal einen Schritt zurückgehen. Aber das Vertrauen, dass jeder neue Tag mir wieder neue Chancen und Gelegenheiten gibt, beruhigt mich.

Ich bin seit vergangenem Freitag allein zu Hause und mache eine kleine Klinikpause. Mein Mann und die Kinder sind bei der Verwandtschaft und nun habe ich auch hier für eine Woche den Alleinsein-Test wie ich ihn schon in meinem Einzelzimmer in der Klinik hatte. Ich bin mega motiviert nach Hause gekommen und habe hier auch wirklich einiges gerissen. Aber gestern kam dann nur noch das Chaos. Wie sagt mein Mann immer – „du machst halt immer zu viele Dinge parallel“. Auch wenn sich das in diesen Momenten überhaupt nicht so für mich anfühlt, muss ich wohl oder übel zustimmen. Am Ende sieht es bei uns aus wie auf dem Schlachtfeld und mir geht es so schlecht, dass ich bislang alleine kaum in der Lage war das alles wieder in Ordnung zu bringen.
Da aber niemand außer mir zu Hause ist, muss ich auch für dieses Problem eine Lösung finden. Ich gehe nun auch hier kleine Schritte… Über den Tag verteilt eine Sache fertig machen und in Ordnung bringen und nach und nach alles abarbeiten. Wenn Dinge in meinem Kopf feststecken, einfach aufschreiben.

Hey, ich habe heute geschafft mir ein Mittagessen zu kochen und mir erlaubt einen fast zweistündigen Spaziergang zu machen. Beides hat mir jeweils Kraft gegeben, an einem der Projekte weiter zu arbeiten. Projekte sind bei mir übrigens nicht immer große Aufgaben. Auch nur die Kliniktasche auszupacken ist für mich ein Projekt. Ich frage mich gerade, warum es eigentlich immer zu solch einem Chaos kommt und da denke ich, dass meine Übermotivation ein im Grunde genommen guter aber manchmal eben auch kontraproduktiver Treiber ist. Mein Hirn läuft dann auf Hochtouren und ich denke so schnell, dass ich selbst gar nicht mehr hinterher komme.

Wenn ich nun mal wieder zu meinem Buch (Buddhas Anleitung zum Glücklichsein) zurück komme, wird mir so eben klar, dass die fünf Hindernisse – Zweifel, Unruhe, Trägheit, Verlangen und Widerwillen – uns eigentlich tagtäglich und immer wieder kehrend Knüppel zwischen die Beine werfen und alles beinhalten, was uns so durch den Tag treibt.
Gegen meine Zweifel setze ich Vertrauen und gegen meine Unruhe bewusste Ruhephasen ein. Und gegen den Rest? Mhm, mal beobachten.

Ich bin gespannt was der morgige Tag bringt. Bis dahin – bleibe ich im Hier und Jetzt.

2 Comments

  1. Brunhilde Albrecht

    Vertraue deinem Herzen, dein Herz kennt Wege die der Verstand nicht wahr haben will.
    Gute 24 Stunden
    Bruni

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